Da steht das Haus, mit Gold bestuckt,
Von Krämern ehrfurchtsvoll beguckt,
Doch langst schon windig wie Kulissen.
Der Keller fault, die Wände sperrn
Das hat den Schwamm bis auf den Kern.
Das Ding hält nicht mehr stand.
Da wackelt schon die Wand.
Wann wird die Bude abgerissen?
Im Hochparterre wohnt ein Bankier,
Ein Makler mit dem richtgen Dreh.
Der Goldsack ist sein Ruhekissen.
Er zeigt auf seine Wände stolz:
Bis an die Decke Barren Golds.
Das Ding hält nicht mehr stand.
Da wackelt schon die Wand.
Wann wird die Bude abgerissen?
Darüber wohnt ein Spekulant;
Der hat den Bauern in der Hand.
Und wen er hat, der wird beschissen.
Er scheffelt Korn von weit and breit.
Das wird was wert zur Hungerszeit!
Das Ding hält nicht mehr stand.
Da wackelt schon die Wand.
Wann wird die Bude abgerissen?
Darüber wohnt ein geiles Weib
Hält großes Haus zum Zeitvertreib
Und lebt von gutbezahlten Küssen.
Da wird gelacht und Krach gemacht.
Das stöhnt und dröhnt die ganze Nacht.
Das Ding hält nicht mehr stand.
Da wackelt schon die Wand.
Wann wird die Bude abgerissen?
Darüber wohnt ein Rentner schwer.
Der tut von Kind auf schon nichts mehr.
Er liebt die Kissen und die Bissen,
Lebt wie die Lilie auf dem Feld,
Denn unversiegbar ist sein Geld.
Das Ding hält nicht mehr stand.
Da wackelt schon die Wand.
Wann wird die Bude abgerissen?
Doch unterm Dach — wie pfeift der Wind —
Haust eine Mutter mit dem Kind.
Den Vater hat’s schon umgeschmissen
Die Nacht ist kalt, die Nacht tut weh,
Denn durch die Ziegel bläst der Schnee.
Das Ding halt nicht mehr stand.
Da wackelt schon die Wand.
Wann wird die Bude abgerissen?
Und vor dem Haustor, in der Nacht
Ein armer Posten steht auf Wacht.
Er gähnt. Ein Grenadier muß müssen.
Er steht. Er weiß noch nicht, für wen.
Bald wird er hier vergebens stehn.
Das Ding hält nicht mehr stand.
Da wackelt schon die Wand.
Bald wird die Bude abgerissen!
Text: Eugène Pottier, Paris, 1848
Für Camelinat, Direktor der Münze unter der Commune
deutscher Text: Erich Weinert
Musik: Michael Zachcial